Liebe Leserin, lieber Leser,  

was ist schon wieder alles passiert seit dem letzten Mal, als ich mich an dieser Stelle zu Wort gemeldet habe?

Unfälle, schlimme Meldungen, Wutausbrüche von Menschen, die mich damit überrascht haben. Aber auch ein „Ende gut, alles gut!“ der Lilien auf dem Felde (Mt. 6,28). Erst vor kurzem sind die Konfirmandengruppen (mir gegenüber) feierlich eingesegnet worden. Im Gegensatz zu früher wird den Konfis ja nicht mehr so viel Memorierstoff „zugemutet“.

Liebe Leserin, lieber Leser,

in dem Song „Banküberfall“ von EAV heißt es: „.. das Böse ist immer und überall.“ Klingt lustig, ist es aber ganz und gar nicht, denn auch auf Artgenossen auf so mancher Kirchturmspitze ist schon geschossen worden. Sich zu entziehen ist nicht wirklich möglich, denn „.. das Böse ist immer und überall.“ Schon seit Anbeginn Eurer Spezies ist das so - bis heute.

Darum habt ihr Menschen auch weiterhin allen Grund mit den Worten des Vaterunser zu beten: „Erlöse uns von dem Bösen.“ Ihr meint, dass Ihr lernfähige Menschen seid. Wenn ich so ins Land hineinhöre und -schaue, bekomme ich schon ein bisschen Angst um Euch. „Des Menschen Trachten ist böse von Jugend auf“, heißt es schon in der Bibel - vor der Sintflut. Dann kam die Flut, um das Böse zu vernichten. Eigentlich ein Fehlschlag.

„.. das Böse ist (noch) immer und überall.“ Aber das Spannende und die Herausforderung in Eurem Leben ist: Ihr Menschen könnt ja auch „Nein“ sagen. Du weißt doch sehr wohl was gut und was böse ist!? Bitte enttäusch mich nicht.

Liebe Leserin, lieber Leser,

das Jubiläumsjahr zur 500. Wiederkehr des Thesenanschlags durch den Reformator Martin Luther ist inzwischen zu Ende. Im ganzen Land, so auch hier „unter mir“ hat es interessante und sehr engagierte Veranstaltungen gegeben. Viele sind gekommen, andere haben  den diesmal freien Reformationstag am 31. Oktober hoffentlich wenigstens genossen. Über die Nachhaltigkeit lässt sich sicher trefflich streiten. Mir hat es auf jeden Fall gefallen, wie sich Christenmenschen doch ihre Gedanken gemacht haben über die Welt und die Kirche. An der durch Groß-Zimmern „wandernden“ Thesentür konnten sich Menschen mit ihren persönlichen „Thesen“ einbringen. Ein dickes Lob will ich den Jugendlichen aussprechen, die im Gottesdienst am 31. Oktober ihre und die Sätze von Anderen zu einem bunten Strauß von Wünschen, Träumen, Hoffnungen und Forderungen zusammengebunden haben. Da ist mir tatsächlich der Kamm (vor Freude) geschwollen. An was erinnere ich mich noch? Ich wünsche mir eine Kirche, in der alle Generationen eine Heimat finden, die das Wissen der Alten schätzt und neugierig ist, auf die Ideen der Jungen. Dann lasst sie ran die Jungen! Das klappt hier schon ganz gut. Die Kirche mischt sich ein, wo sonst keiner hinschaut und steht dabei fest im Glauben an Gottes Güte und gibt auch den Zweiflern Raum. Das versucht sie auch und erinnert immer wieder Alle (auch die Ignoranten) daran, dass das Leben nur mit Hoffnung und Demut gelingen kann. Die

Liebe Leserin, lieber Leser,

mit dem Grüßen und Verabschieden ist das bei Euch ja so eine Sache. Mir scheint es dort drunten immer muffeliger zu werden. Mit Stöpseln in den Ohren, „Tomaten auf den Augen“, einem scheinbaren Kloß im Hals und den Augen auf dem Display kann es mit der Aufmerksamkeit nicht mehr weit her sein. Das ist gefährlich und sehr schade! Dabei freue ich mich über jedes herzliche „Gude!“, „Hallo“ und ganz besonders dem scheinbar schnodderigen „Tschüss!“.

Ich finde, dass dieses so kurz angebunden klingende „Tschüss“ ein schöner Gruß zum Abschied ist! Warum?

Liebe Leserin, lieber Leser,

inzwischen ist schon wieder viel gewesen: Im Ort und in der weiten Welt. Freude, aber meist doch Leid. So vieles beschäftigt Euch und manche Schultern sind schwer beladen. Andere regen sich über das Tanzverbot am Karfreitag auf und merken gar nicht wie sehr sie sich mit ihrem mangelnden Nachdenken selber weh tun. Klar habt ihr Menschen viele Freiheiten, was ich toll finde. Ich habe bei Hitze oder Kälte zu machen, was der Wind will! All denen, die ja so frei sind, sei mal gesagt: Wenn du schon nichts von Kirche und Glaube hältst, dann sei wenigstens dankbar dafür, dass die Kirche dir mindestens fünf arbeitsfreie Tage im Jahr beschert. So bleiben immer noch 360 Tage an denen du tanzen kannst.

   

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